Von Deckenbäumen und equinen Geistern

Es war noch früh am Morgen, am Horizont ließ ein roter Schimmer erahnen, dass die Sonne bald hinter ihm aufsteigen würde….mitten in der wilden Steppe in einer Zeit, in der sie noch frei waren, Teil der Natur….

Einige grasten friedlich, einige schliefen,  die Fohlen spielten, nur die Leitstute ließ aufmerksam ihren Blick über die Ebene streifen, als sie in einem nahe gelegenen Busch ein Geräusch wahrnahm. Sie gehörte zu denen, die nicht sofort flüchteten, im Notfall war sie kampfbereit, ihr Fell mit Blessuren und Narben überzogen erzählte die Geschichte einiger Kämpfe, die sie bereits gekämpft hatte. Und so hob sie den Kopf, spitze die Ohren und fixierte den Strauch, aus dem sie das Geräusch hörte…Huf für Huf schritt sie langsam auf die Gefahrenquelle zu, in ihrem Rücken spürte sie, dass die Herde noch nichts bemerkt hatte und immer noch friedlich ihrem morgendlichen Tun nachging. Gut so, sie wollte nicht, dass Unruhe in die Herde kam, denn ihr Instinkt sagte ihr, dass hier keine Gefahr drohte. Sie war schon fast am Strauch angelangt, ein weiterer Hufschritt und sie würde mitten drin stehen, da stieg aus dem Busch Qualm auf. Kurz wich sie zurück…sollte sie sich wirklich so getäuscht haben und hier drohte ein Steppenbrand auf die Herde zu zutoben? Niemals könnte sie sich verzeihen mit ihrer Neugier die Herde in Gefahr gebracht zu haben. Noch in sorgenvolle Gedanken versunken, stieg die Qualmwolke weiter über ihr auf und nahm die Form eines equinen Steppengeistes an. …

So, endlich war das Geheimnis beängstigender Büsche gelüftet. Sie wusste schon immer, dass in raschelnden Büschen etwas Geheimnisvolles verborgen lag; ein Wissen, dass seit vielen Monden von Generation zu Generation weitergetragen wurde: Es sind nicht die Pokémon, die in Büschen ihr Unwesen treiben, es sind geheimnisvolle equine Geisterwesen. Dieser, der sich ihr in diesem Moment offenbarte, schien ihr wohlgesonnen zu sein und so sprach er:

„Leitstute, du hast mich gehört und gefunden und so zeige ich mich dir als dein equiner Geist, denn damit, dass du mich gehört hast, hast du mich aus diesem Busch befreit. Ich bin ein verwunschener Hengst, der seine Freiheit nur dann wiedererlangen kann, wenn er seinem Finder 3 Wünsche erfüllt. Du bist meine Finderin und so will ich dir dienen und dir deine Wünsche erfüllen.“

equiner Geist

Nun gut, ein Steppenbrand wäre schlimmer gewesen als 3 Wünsche erfüllt zu bekommen. Und so dachte die Stute nach – immer im Sinne der Herde handelnd – mit welchem Wunsch sie im Sinne ihrer equinen Gefolgschaft handeln würde und so sprach sie:

„Weißt du equiner Geist, des nachts wird es in der Steppe recht kalt und meine Herde steht dicht beieinander, um sich gegenseitig zu wärmen. Manchen von uns bereitet die Nähe Stress und so kommt es öfter zu Rangeleien und die Herde gerät in Aufruhr. Und so ist mein erster Wunsch, dass du dafür sorgst, dass es uns in der Nacht nicht mehr so kalt ist und wir nicht mehr so nah beieinander stehen müssen.“

„Dein Wunsch ist mir Befehl!“, antwortete der equine Geist. „Sobald die Sonne heute hinter dem Horizont versinkt, wird dein Wunsch erfüllt werden.“ Und als würde der Strauch ihn einsaugen, verschwand der equine Geist genau so, wie er gekommen war.

Etwas verwundert dreinblickend kehrte die Leitstute zur  ihrer Herde zurück; zweifelnd an ihrem Verstand. Die Sonne stand bereits über dem Horizont und so trieb sie die Herde an loszuziehen, um nach einer Wasserstelle zu suchen. Und so verlebte die Herde den Tag so wie jeden anderen….sie zog auf der Suche nach frischem Steppengras und Wasser Kilometer um Kilometer umher. Sie wurde von einem Puma aufgescheucht und musste flüchten… als sich der Tag dem Ende neigte, war die ganze Herde wieder beisammen, es war ein Platz gefunden worden, an dem sie die Nacht geschützt verbringen konnte. Die Leitstute nahm ihre Wachposition ein, einige Jungpferde legte sich bereits zur Ruhe, die Fohlen spielten bei ihren Stuten, der Hengst vergnügte sich mit der jungen Rappstute und sorgte für den Fortbestand der Herde.

Als die Sonne schon fast hinter dem Horizont verschwunden war und die Steppe in ein warmes, rotes Licht hüllte, tat sich inmitten der Herde plötzlich der Boden auf und aus dem Boden sprieß ein riesiger Weidenstamm, an dessen Ästen lauter bunte Gebilde hingen, die unterschiedlich groß geformt waren wie der Rumpf eines Pferdes. Wie übergroße Blüten hingen sie an den Ästen… in pink, petrol, blau, orange, lila, aubergine und auch in gedecktem Braun. Als sich der Baum zu seiner vollen Größe aus dem Erdboden entfaltet hatte, stand die Herde ungläubig und mit großen Augen guckend  um den Baum herum. Hier und da war aufgeregtes Schnauben zu vernehmen. Der Leitstute aber schwante, dass dieser Baum vom equinen Geist gesandt worden war und so war sie mutig und schritt auf den Stamm zu. Kaum unter den ausladenden Ästen angelangt, begann sich der Baum zu schütteln und zu drehen…bis einer seiner seltsam anmutenden Früchte auf die Leitstute herabfiel und sich wie eine dicke 800g schwere zweite Haut um sie legte. Die Stute spürte sofort, wie diese Frucht anfing sie zu wärmen, der equine Geist hatte also sein Versprechen der Wunscheinlösung eingehalten und so forderte sie ihre Gefährten auf sich auch unter dem Baum zu platzieren…

Und so sorgte der Deckenbaum dafür, dass alle Herdenmitglieder auf die Kälte der Nacht vorbereitet waren und die Herde wurde in ein buntes Antlitz gehüllt. Niemand musste sich mehr dicht an die anderen kuscheln, weil die Füllung der Deckenfrüchte mit 800g so viel Wärme erzeugte, dass es alle kuschelig-wuschelig warm hatten…

Und so kam es, dass die equinen Gefährten fortan nie wieder frieren mussten, denn wann immer es ihnen kalt wurde, es regnete oder windig war, stellten sie sich unter den Bucas-baum und der Baum warf ihnen die entsprechende Decke über; Frühlingsdecke, Winterdecke, Nachtdecke, leichte Tagesdecke, Regendecke, atmungsaktive Winddecke, Nierendecke für den längeren Steppenspaziergang, schicke pinke Ausgehdecke für das Date mit dem Herdenhengst,…,…,…

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Fortsetzung erwünscht? Dann freue ich mich über ein Facebook-Like und nächste Woche Freitag erzähle ich euch, welche Wünsche die Leitstute noch an den equinen Geist hatte… und damit das Ganze auch nicht an seiner Ernsthaftigkeit einbüßen muss, hier noch ein Artikel zum Thema „Thermoregulation“ und Eindecken.

Schönes Wochenende für euch und eure tierischen Begleiter 🙂 ❤

Beitragsbild: Liisa – kuschelt gerne mal mit Hans in der Hütte ©Pauli

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